Virtueller Rundgang 2020

Ein Rückblick auf die Neuenbürger Adventsfenster 2020

Fenster 1:
Warten ist langweilig – heute im Jahr 2020, aber auch früher! Aber Warten lohnt sich! Man wartet auf den Bus, auf den Geburtstag oder die Ferien, steht in der Warteschlange vor dem Bäcker oder sitzt im Wartezimmer beim Arzt. Warten ist echt langweilig, oder? Wir laden dich auf eine Entdeckungstour ein und am Ende stellst du (hoffentlich) fest, warten lohnt sich!
Fenster 2:
Hamburg war eine wachsende, erfolgreiche Stadt. Der Hafen wurde immer größer, Schiffe brachten Waren aus aller Welt. Schiffseigner, Kaufleute und Bankiers machten gute Geschäfte. Doch der größte Teil der Bevölkerung lebte in ärmlichen Verhältnissen. Oft reichte das Geld kaum zum Überleben. Viele Kinder mussten mitarbeiten. Kinderarbeit war nicht verboten, Schulpflicht gab es nicht. Dichtgedrängt wohnten viele in kleinen Zimmern in den Armenvierteln Hamburgs. Die Arbeitszeit betrug oft 12 Stunden und mehr, viele Eltern konnten sich nicht richtig um ihre Kinder kümmern.
Fenster 3:
Carl war auf dem Weg nach Hause. In seiner Tasche hatte er zwei gestohlene Äpfel. Zum Glück war er nicht erwischt worden. Er wollte nicht im Gefängnis landen wie andere Kinder. Carl fror, seine Jacke hatte Löcher, war ihm viel zu klein. Daheim wartete eine kalte Wohnung, ein kranker Vater ohne Arbeit, hungrige Geschwister. Die Mutter war noch bei der Arbeit, sie verdiente ein paar Pfennige, aber nie reichte das Geld. Morgen ist Sonntag. Da ging er zur Sonntagsschule. Dort war es warm und es gab keine Prügel. Er freute sich auf den jungen Herrn Wichern, der noch nicht lange dabei war. Viele Kinder mussten werktags arbeiten, bei den Eltern im Betrieb oder auf dem Bauernhof mithelfen, deshalb blieb für Lernen nur der Sonntag übrig.
Fenster 4:
Johann Hinrich Wichern arbeitete erst seit kurzem als Lehrer und Pfarrer in der Sonntagsschule. Unter der Woche machte er viele Hausbesuche und sah die Not, das Elend und die Armut. Wichern war entsetzt und wollte helfen. Er brachte Decken, Kleider und Essen bei seinen Besuchen mit. Aber diese Hilfe reichte ihm nicht. Er wollte die vernachlässigten Kinder aus den schlimmen Zuständen herausholen. Mit Hilfe einiger reicher Männer gründete er ein „Rettungshaus“. Ein wohlhabender Bürger stellte ihm ein altes Bauernhaus zur Verfügung. Dort zog der25jährige Wichern im Jahr 1833 mit seiner Mutter ein. Bald lebten hier zwölf Jungs im Alter von 5 bis 16 Jahren bei ihm.
Fenster 5:
Der Herbst 1839 neigte sich dem Ende entgegen. Wie lange müssen wir noch warten? So wurde Wichern oft gefragt. Wie lange dauert es noch bis Weihnachten? Wichern war in der Zwischenzeit mit Amanda verheiratet. An einem Abend zeigte Johann seiner Frau im alten Schuppen ein altes, hölzernes und ziemlich großes Wagenrad. Das wird etwas ganz Besonderes, etwas noch nie Dagewesenes. Ich möchte unsern Jungs zeigen, wie lange es noch dauert und ihnen die Wartezeit bis Weihnachten schön gestalten.
Fenster 6:
Draußen war es dunkel und kalt. Es war der erste Advent. Die Bewohner des Rauhen Hauses kamen voller Freude wie jeden Abend in den Versammlungsraum. Was war das? Auf dem Tisch stand ein hölzernes Wagenrad voller Kerzen. Eine große weiße Kerze brannte bereits. Außer der weißen Kerze waren drei weitere weiße Kerzen und 20 rote Kerzen befestigt. Was hatte das zu bedeuten? Die Kinder waren ganz aufgeregt. Auch Carl war überrascht. So ein Wagenrad voller Kerzen hatte er noch nie gesehen. Wie lange müssen wir noch warten? Mit dem Wagenrad wollte Wichern seinen Jungs zeigen, wie lange es noch dauert. Jeden Abend versammelten sie sich um das Wagenrad. Jeden Tag wurde eine weitere Kerze angezündet. Jeden Tag wurde es ein wenig heller im Versammlungsraum und die Wartezeit etwas kürzer. Jeden Abend erzählte Wichern von Menschen, die lange Zeit vor ihnen auch gewartet haben……
Fenster 7:
Schon vor sehr langer Zeit versprach Gott dem Volk Israel durch Propheten einen Retter zu schicken. Die Menschen in Israel warteten auf diesen Retter, auch Hanna und Simeon. Beide hielten sich oft am Tempel in Jerusalem auf. Sie waren schon sehr alt und fragten sich oft – wann wird der Retter kommen und uns erlösen?
Fenster 8:
Maria, ein einfaches Mädchen aus Nazareth hatte von Gott durch einen Engel die unfassbare Botschaft erhalten, ihr Kind werde der Retter sein, auf den alle warteten. Und dann wartete sie zusammen mit Josef auf die Geburt des Kindes, aber nicht daheim in gewohnter Umgebung. Aufgrund der Volkszählung mussten sie zusammen nach Betlehem, dem Geburtsort von Josef, um sich dort in die Steuerlisten eintragen zu lassen. Der Weg dorthin war mühsam, ebenso das Warten in der Schlange und die Suche nach einer Unterkunft.
Fenster 9:
Wie in jeder Nacht waren die Hirten wach – sie warteten auf den Morgen und sie warteten auf bessere Zeiten. Aber dann wurde die Wartezeit unterbrochen – plötzlich waren mitten in der Nacht Engel am Himmel erschienen mit der Nachricht, dass der Retter der Welt, der Heiland geboren war. Hatte Gott in dieser Nacht sein Versprechen wahr gemacht und den Retter geschickt?
Fenster 10:
Die Weisen aus fernen Ländern folgten einem neu aufgegangenen Stern. Sie machten sich auf eine lange Reise und wollten den neugeborenen König der Juden besuchen. Aber sie fanden ihn nicht im goldenen Königspalast. Enttäuscht zogen sie weiter. Zum Glück war der Stern da und zeige ihnen den Weg.
Fenster 11:
Marias Warten auf die Geburt des Kindes hatte bald ein Ende. Das Kind kam im Stall, am Rande des kleinen Dorfes Betlehem zur Welt. Die ersten Besucher waren Hirten, sie konnten nicht lange bleiben und mussten bald wieder zu ihren Schafen. Bald darauf kam der nächste Besuch – die weitgereisten Könige mit ihren wertvollen Geschenken. Endlich hatten sie den neugeborenen Retter gefunden.
Fenster 12:
Endlich war der Tag gekommen, an dem die letzte Kerze angezündet wurde. Die Wartezeit hatte ein Ende. Das Warten hatte sich gelohnt. Im Rauhen Haus in Hamburg wurde Weihnachten gefeiert. Kaum jemand von uns hat ein hölzernes Wagenrad mit 24 Kerzen in seiner Wohnung stehen, aber in vielen Wohnungen stehen Adventskränze. Worauf warten wir in der Adventszeit? Auf Ruhe? Auf Geschenke? Auf das Ende der Pandemie? Auf den versprochenen Retter? Heute müssen wir nicht mehr warten, denn vor 2000 Jahren ist Jesus zur Welt gekommen. Das Versprechen der Propheten hat sich erfüllt. Die Wartezeit hat ein Ende, der Retter ist da – auch für dich und für mich.